Mallorca mit dem Motorrad: Premium-Tour mit BMW und Guide
Morgens die Tramuntana, mittags ein Bergdorf, abends die Küste im goldenen Licht: wie eine geführte Tour auf BMW in kleiner Gruppe die Insel neu erleben lässt.

Es gibt viele Arten, die Serra de Tramuntana zu erleben. Vom Beifahrersitz eines Cabrios, zu Fuß auf dem Trockensteinweg, aus der Luft. Die intensivste aber ist die auf zwei Rädern: Wer an einem klaren Frühlingsmorgen auf einer großen BMW in die erste Kehre über Sóller einbiegt, riecht Pinien und Rosmarin, spürt die Kühle der Schluchten und sieht das Meer tief unten aufblitzen. Mallorca ist eine Motorradinsel, und sie ist es auf eine bemerkenswert stilvolle Weise geworden: mit geführten Touren in kleinen Gruppen, Maschinen, die vor die Finca gebracht werden, und Tagen, die so sorgfältig komponiert sind wie ein gutes Menü.
Dieser Beitrag ist kein Streckenführer mit Kilometerangaben für jede Kurve. Er beschreibt, wie sich eine Premium-Tour auf Mallorca anfühlt, welche Maschine zu welchem Fahrer passt, wie ein gelungener Tag aufgebaut ist und wann die Insel ihre schönste Seite zeigt.
Boutique statt Kolonne: was eine Premium-Tour ausmacht
Der Unterschied beginnt bei der Gruppengröße. Wo große Veranstalter mit zwanzig Maschinen im Konvoi durch die Bergdörfer rollen, bleibt eine Boutique-Tour klein. Ein lokaler Guide fährt voraus, kennt die Straßen in jeder Jahreszeit, weiß, wo am Vormittag die Radfahrergruppen unterwegs sind und an welcher Bucht sich am Nachmittag der Andrang staut. Er passt das Tempo der Gruppe an, nicht umgekehrt.
Der zweite Unterschied ist die Logistik. Statt am ersten Morgen mit dem Taxi zu einer Mietstation zu fahren, Formulare auszufüllen und mit dem Helm unter dem Arm zurückzukehren, steht die Maschine nach Absprache am Hotel oder an der Finca bereit. Gerade für Gäste in den Landhäusern im Inselinneren oder in den Hotels der Tramuntana ist das ein echter Gewinn an Zeit und Ruhe. Und schließlich zählt, was zwischen den Kurven passiert: die Pause im richtigen Dorf, der Kaffee mit Blick auf die Berge, die Ankunft an der Küste, wenn das Licht weich wird.
BMW auf Mallorca: drei Charaktere für drei Temperamente
Wer auf Mallorca anspruchsvoll Motorrad fahren möchte, landet fast zwangsläufig bei BMW. Die Inselstraßen verlangen viel Handlichkeit in engen Kehren, Reserven für lange Anstiege und Komfort für Tage mit vielen Stunden im Sattel. Drei Modelle stehen dabei für drei sehr verschiedene Arten, die Insel zu erfahren.
BMW R 1300 GS: die souveräne Reisende
Die R 1300 GS ist das Motorrad für alle, die den Tag nicht planen, sondern geschehen lassen wollen. Aufrechte Sitzposition, viel Wetterschutz, kräftiger Boxer: Auf der Ma-10 über die Berge ist sie in ihrem Element, und auch zu zweit mit Gepäck verliert sie nichts von ihrer Gelassenheit. Wer eine mehrtägige Runde mit Übernachtungen in verschiedenen Häusern plant, ist mit ihr am besten bedient.
BMW R 12 G/S: die Hommage
Die R 12 G/S zitiert die frühen Geländeboxer von BMW, mit schmalem Tank, Speichenrädern und viel Charakter. Sie ist weniger Langstreckenmaschine als Statement, und sie passt wunderbar zu einer Insel, die selbst mit ihren Steinmauern, Olivenbäumen und alten Landgütern den Wert des Ursprünglichen pflegt. Ideal für Tagestouren, bei denen der Weg wichtiger ist als das Ziel.
BMW R nineT: der Roadster für Ästheten
Klassische Linie, Boxer im Mittelpunkt, kein Verkleidungsteil zu viel: Die R nineT ist das Motorrad für Fahrer, die Design ebenso schätzen wie Fahrdynamik. Ohne Windschild spürt man jede Temperaturänderung zwischen Küste und Pass, man fährt bewusster, langsamer vielleicht, und genießt umso mehr. Für eine Runde zum Abendessen an der Küste gibt es kaum ein schöneres Fahrzeug.

Mietmotorrad und geführte Tour: so finden Sie das Passende
Mietmotorräder gibt es auf Mallorca bei mehreren Vermietern, viele davon nahe dem Flughafen Palma. Das Angebot reicht von großen Reiseenduros über klassische Roadster bis zu leichteren Maschinen, die sich auch mit dem Führerschein A2 fahren lassen. Manche Vermieter bieten zusätzlich geführte Touren in kleinen Gruppen, Fahrtrainings oder die Lieferung der Maschine zur Unterkunft an.
Die Bedingungen unterscheiden sich von Haus zu Haus. Prüfen Sie vor der Buchung beim jeweiligen Vermieter die nötige Führerscheinklasse, das Mindestalter, die Höhe der Kaution, die Kilometerregelung und welches Zubehör enthalten ist, etwa Helm, Schutzkleidung, Koffer oder Navigationsgerät. Wer in der Hochsaison reist oder ein bestimmtes Modell fahren möchte, bucht am besten früh.
Die Dramaturgie eines perfekten Tages
Ein gelungener Motorradtag auf Mallorca folgt einem Rhythmus, den die Insel selbst vorgibt: kühle, leere Straßen am Morgen, Hitze und Betrieb am Mittag, goldenes Licht am Abend. Wer diesen Rhythmus respektiert, erlebt die Tramuntana von ihrer besten Seite.
Morgens: die Berge, solange sie still sind
Der Tag beginnt früh, am besten gegen acht Uhr. Aus Palma oder dem Inselinneren führt die alte Passstraße über den Coll de Sóller hinauf, seit der Eröffnung des Tunnels 1997 kaum noch von Durchgangsverkehr belastet. Auf knapp 500 Metern Passhöhe öffnet sich der Blick ins Tal von Sóller mit seinen Orangengärten. Danach führt die Ma-10 hinauf in das Hochgebirge der Insel. Die Straße steigt bis zum Coll de Puig Major auf rund 880 Meter, unterhalb des Puig Major, mit etwa 1.445 Metern der höchste Berg Mallorcas. Ein kurzer, unbeleuchteter Tunnel markiert den höchsten Punkt, dahinter liegen die Stauseen Cúber und Gorg Blau in einer Landschaft, die eher an die Alpen als an das Mittelmeer erinnert.
Wer Lust auf die berühmteste Straße der Insel hat, biegt am Gorg Blau auf die Ma-2141 nach Sa Calobra ab. Vom Coll dels Reis auf gut 680 Metern windet sich die Straße in engen Kehren hinunter bis ans Meer, an ihrem bekanntesten Punkt, dem Nus de sa Corbata, schwingt sie sich in einer Dreiviertelschleife unter sich selbst hindurch. Am frühen Vormittag, bevor die Ausflugsbusse kommen, ist diese Abfahrt ein Erlebnis. Später am Tag wird sie zur Geduldsprobe, und weil Sa Calobra eine Sackgasse ist, führt der Weg auf derselben Straße wieder hinauf.
Mittags: Einkehr im Bergdorf
Gegen Mittag ist die Zeit für eine lange Pause gekommen. Das Kloster Lluc, das spirituelle Herz der Insel, liegt nur wenige Kilometer weiter an der Ma-10 und ist ein klassischer Treffpunkt der Motorradfahrer. Wer es ruhiger mag, kehrt nach Fornalutx zurück, eines der am besten erhaltenen Bergdörfer Mallorcas, oder fährt weiter nach Deià mit seinen Steinhäusern am Hang. In allen drei Orten gibt es Terrassen mit Blick in die Berge, und in allen drei gilt: Die einfachen Gerichte der mallorquinischen Küche schmecken nach einem Vormittag in den Kurven besser als jedes aufwendige Menü.

Abends: die Küste im goldenen Licht
Am Nachmittag geht es wieder Richtung Meer. Die Ma-10 folgt zwischen Deià, Valldemossa, Banyalbufar und Estellencs der Steilküste, mit Aussichtspunkten, an denen man unwillkürlich anhält. Wer in Port de Sóller den Tag ausklingen lässt, sieht die Sonne hinter den Felsen der Bucht versinken. Wer im Südwesten wohnt, lässt sich auf der Küstenstraße Richtung Andratx vom Abendlicht begleiten. Die Strecke ist eng und kurvig, mit dem Licht im Rücken aber eine der schönsten Fahrten, die Europa zu bieten hat.
Ein Sonderfall ist das Cap de Formentor im Norden. Die Ma-2210 vom Hafen von Pollença hinaus zum Leuchtturm gehört zu den spektakulärsten Küstenstraßen der Insel, ist in der Hauptsaison aber reguliert: 2026 war sie vom 15. Mai bis zum 18. Oktober täglich zwischen 10 und 22 Uhr für den privaten Verkehr gesperrt, nur Busse, Radfahrer, Fußgänger und Inhaber einer Genehmigung durften passieren. Die Zeiten legt die Inselverwaltung jedes Jahr neu fest. Wer mit dem Motorrad zum Leuchtturm will, plant die Fahrt in die Nebensaison oder früh am Morgen und informiert sich vorher über die aktuellen Regeln.

Die beste Zeit: Frühjahr und Herbst
Mallorca lässt sich fast das ganze Jahr mit dem Motorrad befahren, aber zwei Zeitfenster sind besonders schön. Im Frühjahr, von März bis Mai, ist die Insel grün wie zu keiner anderen Jahreszeit, an den Straßenrändern blüht es, die Luft ist klar, die Temperaturen sind ideal. Allerdings ist das auch die Hochsaison der Rennradfahrer: Vor allem in der Tramuntana teilen Sie die Straßen dann mit vielen Gruppen. Beim Überholen gilt in Spanien ein Mindestabstand von 1,5 Metern, und Geduld zahlt sich in den Kehren aus.
Der Herbst, von Mitte September bis Anfang November, ist vielleicht die schönste Zeit von allen. Das Meer ist noch warm, die Hitze des Sommers ist vorbei, das Licht wird weicher, und die Straßen leeren sich. Im Hochsommer dagegen ist es mittags oft zu heiß für Schutzkleidung, die Küstenorte sind voll, und viele erfahrene Fahrer weichen dann auf sehr frühe Morgenrunden aus. Im Winter ist die Insel ruhig, doch auf den Pässen kann es kalt, nass und gelegentlich sogar glatt werden.
Ausrüstung: was Sie mitbringen sollten
Helm, Jacke und Handschuhe stellen viele Vermieter auf Wunsch, und manche Fahrer reisen deshalb mit leichtem Gepäck. Einige Dinge lohnen sich trotzdem im Koffer:
Auf einen Blick
- Führerschein: Klasse A für die großen BMW-Modelle, für leichtere Maschinen genügt A2
- Hose und Stiefel: eigene Schutzkleidung, die passt, ist durch nichts zu ersetzen; Leihware gibt es nur nach Verfügbarkeit
- Lagen: morgens am Puig Major ist es deutlich kühler als mittags an der Küste, eine dünne Zwischenschicht gehört dazu
- Sonnenschutz: getönte Brille oder Visier, Sonnencreme für Nacken und Hände in den Pausen
- Kommunikation: ein Helm-Intercom macht geführte Touren entspannter, viele Guides geben Hinweise per Funk
- Kreditkarte: für Kaution und Zusatzleistungen beim Vermieter
Für wen sich eine geführte Tour lohnt
Eine geführte Tour ist kein Zeichen mangelnder Erfahrung. Sie lohnt sich für alle, die in wenigen Tagen das Beste der Insel sehen wollen, ohne Zeit mit Navigation und Umwegen zu verlieren. Der Guide weiß, wann Sa Calobra frei ist, wo die schönsten Aussichtspunkte liegen und welche Nebenstraße heute die bessere Wahl ist. Wer die Insel danach allein erkunden möchte, mietet sich für die folgenden Tage einfach die Maschine weiter, und wer mit der Familie anreist, kombiniert einen Motorradtag mit Tagen am Pool einer Finca. Einen Überblick über die schönsten Landhäuser gibt unser Beitrag zu Finca-Hotels und Agroturismo auf Mallorca, und wer einen Teil der Strecken lieber auf vier Rädern fährt, findet alles Nötige in unserem Ratgeber Auto mieten auf Mallorca.
Am Ende bleibt von einem solchen Tag nicht die Zahl der Kurven, sondern ein Gefühl: die Kühle am Gorg Blau, der Duft in Fornalutx, das letzte Licht über dem Meer. Mallorca auf dem Motorrad ist Luxus im ursprünglichen Sinn, nämlich Zeit, Raum und die Freiheit, anzuhalten, wo es am schönsten ist.
Häufige Fragen
Welchen Führerschein brauche ich für eine BMW R 1300 GS auf Mallorca?
Für die großen BMW-Modelle wie R 1300 GS, R 12 G/S oder R nineT benötigen Sie einen Motorradführerschein der Klasse A. Mit der Klasse A2 kommen leichtere Maschinen in Frage, die viele Vermieter ebenfalls im Programm haben.
Wann ist die beste Reisezeit für eine Motorradtour auf Mallorca?
Am schönsten sind das Frühjahr von März bis Mai und der Herbst von Mitte September bis Anfang November. Im Hochsommer ist es mittags oft zu heiß für Schutzkleidung, im Winter können die Pässe kalt und nass sein.
Darf ich mit dem Motorrad zum Cap de Formentor fahren?
In der Hauptsaison ist die Straße zum Leuchtturm tagsüber für den privaten Verkehr gesperrt, 2026 vom 15. Mai bis zum 18. Oktober zwischen 10 und 22 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist die Fahrt möglich. Die Daten werden jedes Jahr neu festgelegt.
Kann das Motorrad zum Hotel oder zur Finca geliefert werden?
Einige Anbieter auf Mallorca liefern die Maschine nach Absprache und Verfügbarkeit direkt zum Hotel oder zur Finca. Fragen Sie bei der Buchung nach, ob Ihre Unterkunft im Liefergebiet liegt.
Was ist bei einem Mietmotorrad auf Mallorca inklusive?
Das ist je nach Vermieter verschieden. Manche stellen Helm und Schutzkleidung, andere berechnen Zubehör wie Koffer oder Navigationsgerät extra. Prüfen Sie die Leistungen, die Kaution und die Kilometerregelung vor der Buchung.


